Samstag, 7. September 2013

Der freudsche Sessel und andere Stühle




Im Film zoomt die Kamera auf eine Hand, die ein Glas Whiskey schwenkt, während der Ellbogen sich auf der abgenutzten Lehne eines ledernen Ohrensessels aufstützt. Im Hintergrund lodert ein Kaminfeuer. Zu beiden Seiten des Kamins sind Bücherregale zu erkennen. Es handelt sich offenbar um eine etwas düstere aber anheimelnd wirkende Bibliothek. Jetzt wird der Winkel der Kamera grösser. Die Person wird sichtbar. Es ist Dr. Watson, der sich nach einem aufregenden Tag mit Sherlock Holmes seinem Feierabend hingibt. Den Fall haben sie gelöst; den Mörder überführt. Jetzt sitzt er in seinem Ohrensessel. Die Anspannung weicht sichtlich von ihm, als er sich zurück lehnt, die Beine ausstreckt und ein sanftes Lächeln seine Lippen umspielt. Klappe, Ende, Abspann.
 
Source: www.country-days.co.uk


Ob im Film oder im richtigen Leben: Ein Lehnstuhl ist der Inbegriff der Gemütlichkeit. An kein anderes Möbelstück werden so hohe, vom Wunsch nach Komfort getriebene Erwartungen gestellt. Ein Sessel muss immer bequem sein. Nicht selten werden dafür sogar gravierende, wenn auch unverständliche, ästhetische Abstriche in Kauf genommen. Die norwegische Firma Stressless zum Beispiel, stellt einen Sessel mit dem hochfliegenden Namen Voyager her, der sämtliche Anforderungen an die Ergonomie, die stufenlos Verstellbarkeit, den 360° Schwenkmechanismus sowie an ein Verstell-Rad mit Gleitsystems erfüllt. An der Behaglichkeit gibt es keine Zweifel. Allerdings ist die Voyager Mission „Star Chairs“ optisch misslungen.

Source: www.housetohome.co.uk

Sogar Le Corbusier hat es geschafft, einen Sessel herzustellen, der hübsch aussieht und es auch gleichzeitig Wert ist, dass man sich hinein setzt. Er hat ihn liebevoll LC2 genannt und zwar in einer Zeit, als noch keine Gefahr bestand, dass man den Sessel aufgrund dieser Bezeichnung mit einem Joghurt verwechselt. Bei seiner vielgelobten und millionenfach verkauften Liege LC4 übrigens, ist ihm die Kombination von Komfort und Design nicht gelungen. Sie dient heute wohl hauptsächlich als prestige-trächtiges Design-Objekt. Für die Beine ist gesorgt, doch wer auch Arme hat, wird schnell feststellen, dass sie platzmässig nicht vorgesehen sind. Wer auf der LC4 liegt, der kann die Seele und die Arme gleichzeitig baumeln lassen.

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Ein Lehnstuhl hingegen muss Platz für die Arme bieten, auch wenn er keine Ohren hat. Er ist immer ein Wohlfühlobjekt und wird hauptsächlich mit liebreizenden Handlungen assoziiert. Vom Ohrensessel aus werden Märchen vorgelesen, erholt sich der Weihnachtsmann bei einer Tasse Kakao, oder tätschelt die gütige Grossmutter die Köpfe ihrer Grosskinder. Es sind friedliebende Bilder, die gleichfalls mit anderen, facettenreichen Symbolen erweitert werden: Der Pate gibt im Sessel ruhend seine tödlichen Anweisungen. Sigmund Freud sitzt im Lehnstuhl, wenn er die Frauen analysiert. Der Sessel ist ein vielschichtiges Möbelstück mit Charakter und Geschichte. Kein Zuhause sollte darauf verzichten, und sei es nur, damit die Katze einen Platz zum Schlafen hat. 

Source: www.interiorish.com

Source: www.housetohome.co.uk
 
Source: www.fengshuidana.com

 
Source: www.cotedetexas.blogspot.ch

Source: www.mattersofstyleblog.com

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